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Fit oder fett? Unsere Jugend braucht Vorbilder und ganzheitliche Präventionskonzepte

Bewegungsmangel und Fehlernährung bei Heranwachsenden nehmen zu und bergen ein hohes Risiko – die Prävention muss früher ansetzen.

Die Zahl an stark übergewichtigen, adipösen Menschen steigt stetig an und insbesondere Kinder und Jugendliche sind hiervon besonders betroffen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Aus diesem Grund beleuchtet die dreiteilige fMI-Artikelserie diesen Themenkomplex aus den Bereichen Gesundheit, Training und Ernährung interdisziplinär.

Hauptursachen für Übergewicht (nicht nur im Jugendalter) sind angesichts zahlreicher Studien besonders Fehl- bzw. Überernährung (positive Energiebilanz) und körperliche Inaktivität. Diese Befunde decken sich laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK auch mit den Einschätzungen für die Zunahme an übergewichtigen Menschen in Deutschland. Ein Blick auf die sechs Top-Gründe zeigt, Bewegungsmangel, falsche/schlechte/ungesunde Ernährung, Fast Food, Convenience/Fertigprodukte, Zeitmangel und zuckerhaltige Lebensmittel sind auf dem Vormarsch. Generell ist die heutige Nahrungssituation weniger durch einen Mangel als vielmehr durch eine insgesamt zu hohe Energieaufnahme geprägt. Zucker ist laut dem Handelsblatt längst vom Luxusprodukt zur Volksdroge geworden. Generell liegt der jährliche Pro-Kopf-Konsum an Zucker in Deutschland mit 34 kg mehr als dreimal so hoch wie die entsprechenden Maximal-Empfehlungen der WHO. Die Bundesrepublik liegt damit im internationalen Vergleich zwar noch eher im Mittelfeld, aber das sind dennoch deutliche Warnsignale, die man nicht verharmlosen sollte. Beispielsweise liegen wir fast gleichauf mit den USA – die im Vergleich eine deutlich höhere Adipositas-Prävalenz als Deutschland aufweisen.

Insbesondere der Konsum zuckerhaltiger Getränke hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und stellt für Heranwachsende ein großes Risiko dar. Die Daten des Robert Koch-Institutes (RKI) der KiGGS-Welle 2 (2014-2017) verdeutlichen, dass 13,7 Prozent der Mädchen und 17,6 Prozent der Jungen ein- bis dreimal und 3,3 Prozent der Mädchen beziehungsweise 4,7 Prozent der Jungen viermal oder häufiger am Tag zuckerhaltige Erfrischungsgetränke trinken. Das ist eindeutig zu viel und die Konsumhäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter noch weiter an. Da bei Limonaden und zuckerhaltigen Getränken kein Sättigungsgefühl einsetzt, sind diese gerade für Kinder und Jugendliche ein besonderes Risiko.

Neben der Ernährung bewegen sich die Kinder und Jugendlichen gleichzeitig zu wenig. Die  AOK-Familienstudie 2018, über welche die fM unlängst berichtete ist ein weiteres klares Alarmsignal. Jede dritte Familie bewegt sich zu wenig und mehr als die Hälfte der Eltern ist übergewichtig (insbesondere Väter haben hier ein erhöhtes Risiko). Neben diesen generellen Entwicklungen spielen auch Stress und mangelndes Zeit-Budget eine zunehmende Rolle. Für 28 Prozent der befragten Erziehungsberechtigten spielen demnach körperliche Aktivität, Sport und Fitness in der Freizeit überhaupt keine Rolle. Mit steigendem Gewicht der Eltern nimmt auch die Bewegung innerhalb der Familie bzw. der Kinder ab. Angesichts der Ergebnisse kommen viele Eltern ihrer Vorbildfunktion beim Thema Bewegung und Sport gar nicht oder nur unzureichend nach. Das ist einer von vielen weiteren Gründen, warum nur ein Bruchteil der Heranwachsenden (etwa 10 Prozent) tatsächlich die von der WHO lancierten Basisempfehlungen für Bewegung tatsächlich erfüllen. Es beginnt ein Teufelskreis, da das Aktivitätsniveau, der Lebensstil und das Ernährungsverhalten der Kinder wiederum eng mit dem der Eltern verknüpft sind.

Aus diesem Grund müssen ganzheitliche Präventionskonzepte und Strategien zur Vorbeugung von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter stärker als bisher in den Fokus gerückt werden bzw. bereits deutlich früher in der Kita, der Schule und der Erziehung ansetzen, da hier häufig bereits der negative Grundstein für Adipositas im Erwachsenenalter gelegt wird. Nur so kann langfristig das Adipositas- bzw. Diabetes mellitusTyp II-Risiko über die gesamte Lebensspanne gesenkt werden. Zuckersteuer, Lebensmittelkennzeichnung und Co. sind ein guter Anfang, aber reichen längst nicht aus. Ein ausreichender Umfang an körperlicher Aktivität und gesunde Ernährung sind die zentralen Stellschrauben, an denen qualifizierte Trainer mit bedarfsgerechten Trainings-, Beratungs- und Präventionskonzepten ansetzen können. Hier sollten Politik, Kommunen, Kitas, Schulen, Krankenkassen und Fitness- und Gesundheitsanbieter deshalb noch enger miteinander kooperieren, denn eine zielführende nachhaltige Verhaltens- und Verhältnisprävention kann nur gemeinsam gestemmt werden. Ziel muss es deshalb sein, nicht nur die Eltern zu sensibilisieren, sondern gleichzeitig auch durch entsprechende Angebote ein positives Bewusstsein zu schaffen, welches Kinder nachhaltig für mehr Fitness, Bewegung und eine gesunde Ernährungsweise begeistert.

Die Artikelserie der fMi zum Schwerpunkt Fitness bei Kindern:

Wie gesund sind unsere Kinder und Jugendlichen?“ von Prof. Dr. Arne Morsch (fMi 3/2018, S. 100-101) – „Kids-Club im Fitness-Studio“, Autorin: Anna Welker, geb. Weinmann (fMi 3/2018, S. 102-103) – „Gesunde Ernährung bei Kids“ Autorin: Andra Knauer (fMi 3/2018, S. 106-107)

Weitere Quellenverweise und Links:

Bitte klicken Sie hier für die Studie „Meinungen und Einschätzungen zu Übergewicht und Fettleibigkeit“ von DAK & Forsa.

Die neuesten Auswertungen des Robert-Koch-Institutes im Rahmen der KIGGS-Studie aus dem Journal of Health Monitoring finden Sie hier.

Für die AOK Familienstudie 2018 klicken Sie bitte einfach hier.  

Ausbildungen der BSA-Akademie

die Trainer für die Lösung der Problemfelder Übergewicht und Bewegungsmangel (auch bei Kindern) qualifizieren:
Bitte klicken Sie einfach auf die Links für ausführliche Informationen für Kursleiter(in) Fit Kids  und die Lehrgänge im Bereich Ernährung.

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