Gesundheit | Autor: Barbara Nützel |

Der Stressfalle entfliehen

Technisierung und Digitalisierung kennzeichnen die moderne Arbeitswelt und Themen wie Stress, Burnout und Depressionen stehen immer öfter im Fokus. Eine mögliche Antwort auf den digitalen Wandel und die damit einhergehende Schnelllebigkeit ist ein achtsames Leben – die Chance zur Flucht aus der Stressfalle.

Die heutige Arbeitswelt ist durch Technisierung und Digitalisierung gekennzeichnet. Arbeitsverdichtung, demografischer Wandel und Fachkräftemangel führen in vielen Berufsbranchen häufig zur Überlastung. Themen wie Stress, Burnout und Depressionen stehen daher immer öfter im Fokus unserer schnelllebigen Arbeitswelt. Eine mögliche Antwort auf den digitalen Wandel und die damit einhergehende Schnelllebigkeit ist ein achtsames Leben – die Chance zur Flucht aus der Stressfalle.

 

Aktuelle Zahlen verschiedener Gesundheitsreporte belegen, dass knapp 90 Prozent der Deutschen arbeitsbedingten Stress heutzutage als Hauptbelastungsfaktor angeben. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in beruflichem Stress eine der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts. Stellten früher wilde Tiere oder andere unberechenbare Gegner ein Gefahrenpotenzial für den Menschen dar, so sind es heutzutage primär berufliche oder zwischenmenschliche Probleme, Angst vor Arbeitsplatzverlust sowie Gefühle wie Ärger, Traurigkeit oder Einsamkeit, die uns stressen.

Stress: vom „Alarmzustand“ zum Dauermodus?

Evolutionär betrachtet führt Stress zu unterschiedlichen Anpassungsreaktionen, die es dem Menschen ermöglichen nach dem sogenannten „Flucht-oder-Kampf-Mechanismus“ zu agieren. Für den Zustand körperlicher Leistungsfähigkeit ist diese Aktivierung in Form eines „Alarmzustandes“ durchaus sinnvoll, um zu flüchten oder zu kämpfen. Im Unterschied zu unseren Vorfahren sind wir heutzutage jedoch kaum mehr der reellen Gefahr ausgesetzt, flüchten oder kämpfen zu müssen, um unser Überleben bzw. unsere Existenz zu sichern. Stattdessen verbleibt unser Organismus bei Dauerstress in einer permanenten „Aktivierungsspirale“, sodass ein natürliches Verhältnis zwischen Belastung und Erholung kaum mehr gegeben ist. Diese gestörte Balance zwischen Aktivierung und Erholung nehmen wir dann zum Beispiel in Form von „kreisenden“ Gedanken, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafproblemen, muskulären Verspannungen oder auch durch ein verändertes Atemmuster (flachere Atmung) wahr.

Eine Möglichkeit, dieser durch unsere heutige Arbeitswelt verursachten „Stressfalle“ zu entfliehen, bietet Achtsamkeit.

Doch wie kann es uns gelingen, Achtsamkeit im digitalen Zeitalter zu praktizieren? Im Rahmen der digitalen Transformation soll alles schnell, unkompliziert und am besten mit Erfolg verbunden ablaufen. Das rasante Tempo unserer Arbeitsprozesse spiegelt sich oft auch in unserem Freizeitverhalten als „Freizeitstress” wider. Auch wenn es sich um freiwillige Verpflichtungen handelt, können wir oft nicht NEIN sagen oder uns entscheiden. Wir fühlen uns dann rastlos und getrieben. Aber woran liegt das? Haben wir bei all dem „immer schneller, immer höher, immer weiter” verlernt, uns selbst zu spüren, auf uns selbst zu hören? Unser Bauchgefühl und unsere innere Stimme melden sich Tag für Tag zu Wort, doch Alltag, Beruf, Familie und Freundeskreis „lenken” uns im Sinne der Achtsamkeit ab, Verbindung mit uns selbst aufzubauen und auf uns selbst zu achten.

Aber was genau versteht man eigentlich unter Achtsamkeit?
Für den Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn, Entwickler eines achtsamkeitsbasierten Trainingskonzepts (MBSR, mindfulnessbased stress reduction), bedeutet Achtsamkeit „Buddhismus ohne Buddhismus“. Das von ihm entwickelte Training gilt mittlerweile als Standard des Achtsamkeitstrainings und richtet sich an alle Zielgruppen – von der gestressten Mutter bis zum ausgebrannten Manager. Ursprünglich betrachtet entstand Achtsamkeit vor rund 2.500 Jahren im Buddhismus als Teil eines spirituellen und philosophischen Konzeptes, welches eng verknüpft ist mit Werten wie Akzeptanz, Toleranz und Gleichmut. Bei bewusst ausgeführter Achtsamkeitspraxis geht es vor allem um einen respektvollen Umgang mit sich selbst und der Umgebung. Das eigene Bewusstsein zu schulen, die Verbindung und den Kontakt zu sich selbst zu (re-)aktivieren, stellen zentrale Aspekte in der Achtsamkeitspraxis dar.

Chancen durch Achtsamkeit
Doch wie kann die Beziehung zu uns selbst überhaupt aufgebaut und wieder vertieft werden? Wie können wir anderen Menschen zuhören oder sie wertschätzen, wenn wir uns selbst nicht zuhören bzw. wertschätzen?

Eine Möglichkeit sich wieder mehr auf sich selbst zu besinnen ist es, Stille über bewusstes Atmen zu finden. Sich einfach treiben zu lassen wie ein Seestern im Meer, einfach zu vertrauen: Dies ist sicher eine Herausforderung, fördert jedoch Werte wie Präsenz oder Akzeptanz, welche eng mit Achtsamkeit in Verbindung stehen. Auch die eigene Aufmerksamkeit zu bündeln, sich bewusst mit seinen inneren „Lehrern“ (beispielsweise die eigene Herkunft, der Alltag, anstehende Veränderungen und Entscheidungen, das eigene Ego) auseinanderzusetzen, kann zu mehr Gelassenheit, besserer Konzentration und weniger Stress beitragen.

Fazit
Achtsamkeitsexperten wie Deepak Chopra oder Britta Hölzel sehen in einem bewussten und achtsamen Leben eine große Chance, nicht nur eine Systemänderung in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozessen, sondern auch auf individueller Ebene zu bewirken.

Achtsam zu sein bedeutet als Konsequenz aktiv zu werden, unser Verhalten uns selbst gegenüber sowie auch den Umgang mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt immer wieder zu überdenken und zu erkennen, dass jeder von uns selbst dafür verantwortlich ist, die STOPP-Taste zu drücken – immer und immer wieder. Achtsamkeit ist somit als individuelle Herausforderung zu verstehen – bei sich zu sein und zu spüren, was richtig ist, zu beobachten was man im jeweiligen Moment braucht und worauf man verzichten kann. Probieren Sie es aus: MONO- statt MULTITASKING!

www.dhfpg-bsa.de

Barbara Nützel
Barbara Nützel beendete 1997 ihr Studium an der European Business School Munich mit dem Abschluss als Diplom- Betriebswirtin (EMA). Neben einer Yogalehrerausbildung (Yoga Alliance 200 hrs) absolvierte Barbara Nützel von 2006 bis 2009 an der DHfPG ein Bachelor- Studium im Bereich Gesundheitsmanagement. Sie ist für die BSA-Akademie und die DHfPG als Dozentin mit den Schwerpunkten Gruppentraining und Entspannung tätig.

Zusatzinformation
Die BSA-Akademie ist seit 1983 mit aktuell über 70 Lehrgängen einer der führenden Bildungsanbieter im Zukunftsmarkt Prävention, Fitness und Gesundheit. Zum Bildungsangebot gehören zum Beispiel die folgenden Lehrgänge, bei denen Lehrgangsteilnehmer lernen, als Trainer Anregungen für ein achtsamkeitsbasiertes Leben zu geben: Entspannungstrainer, Mental Coach, Berater für Stressmanagement

Weitere Infos unter: www.bsa-akademie.de

Literaturliste
• Kabat-Zinn, J. (2010). Im Alltag Ruhe finden – Meditationen für ein gelassenes Leben. München: Knaur.
• Levine, P. (2011). Sprache ohne Worte. Die Botschaften unseres Körpers verstehen. München: Kösel.
• Neff, K. & Kretzschmar, G. (2012). Selbstmitgefühl: Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen und uns selbst der beste Freund werden. München: Kailash.
• Salzberg, S. (2003). Metta Meditation – Buddhas revolutionärer Weg zum Glück. Geborgen im Sein. Freiburg: Arbor-Verlag.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 06/2018

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