Fitness, Management | Autor: Albert Busek |

Todestag Joe Gold: Albert Busek gedenkt dem visionären Gold's Gym Gründer & Fitnessurgestein

Das Gold's Gym ist eine Legende, deren Geschichte 1965 in Venice Beach, Kalifornien, begann. Im Sommer 2020 kam es zum Eigentümerwechsel, als Rainer Schaller mit der RSG Group die Kultmarke übernahm. Albert Busek schildert, wie sich das berühmte Gym vom Traum eines Einzelnen zu einer der bekanntesten Fitnessketten der Welt entwickelte. Mit dem Gründer Joe Gold, der am 11. Juli 2004 verstarb, verband den Autor eine langjährige Freundschaft.

Joe Gold und sein Gold's Gym – Immer gut drauf: Joe Gold an der Rezeption im World Gym in Marina del Rey, Kalifornien

Zwei große Lieben bestimmten das Leben von Joe Gold: die zum Meer und die zum Training mit Gewichten. 1922 in East L. A. geboren, diente er als sehr junger Mann im Zweiten Weltkrieg in der US Navy und fuhr später als Seemann auf Handelsschiffen über alle Weltmeere.

Auch das Training mit Gewichten lernte er früh kennen und trainierte mit Freunden im Heimstudio in seiner Garage in City Terrace/L. A. Schon damals baute Joe jedes Gerät selbst und nutzte dafür alles, was irgendwie passte.

Außerdem spielte er Football an der Roosevelt High School und entdeckte den Muscle Beach direkt am Santa Monica Pier für sich, wo er viele in der Szene bekannte Sportler wie Jack LaLanne und Steve Reeves kennenlernte.

Sein erstes Studio eröffnete Joe Gold allerdings in New Orleans. Er gab es aber wieder auf, als er sich der Mae West Nightclub Revue in Las Vegas anschloss, zusammen mit 'Eisenfreunden' wie Irvin 'Zabo' Koszewski, Gordon Mitchell und Mickey Hargitay.


 


Eine Legende entsteht

Als Joe nach L. A. zurückkehrte, gab es das Muscle Beach Gym nicht mehr. Um dessen außerordentlichen Spirit fortleben zu lassen, kaufte er zwei Parzellen an der Pacific Avenue in Venice mit der berühmten Hausnummer 1006, ganz nah am Meer.

Gemeinsam mit seinem lebenslangen Freund Zabo baute er dort nicht nur das Studio selbst, sondern auch alle Geräte, Bänke, Ablagen und Hanteln.

Das Gebäude – ein großer Kubus oder 'Schwitzkasten' – war nebensächlich und bildete nur den Rahmen. Alle Energie, alles Können konzentrierte Joe auf eine Geräteausstattung, die den Athleten die besten Voraussetzungen für ein optimales Training bieten sollte.

Diese Geräte waren ihrer Zeit weit voraus, stabil und funktionell. Beispielsweise liefen die Kabelzüge erstmals über große Rollen mit doppelten Kugellagern, sodass bei jeder Wiederholung die maximale Wirkung entfaltet werden konnte.


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Ein Treffpunkt für Fitnessfans

Alle, die das Eisen liebten, fühlten sich von der ersten Sekunde an im 'Ur'-Gold’s Gym wie im Paradies. Für Joe und Zabo wurde es zum 'aktiven Wohnzimmer', in dem sie Freunde empfingen.

Ein entscheidender Vorteil war, dass durch die meist offen stehende Eingangstür eine frische Meeresbrise wehte. So strikt wie Joe bei der Umsetzung der Vorstellungen für sein Gym war, war er auch im Umgang mit Menschen.

Von ihm gab es nur Klartext. Für alle, die er mochte, erfand er sofort Spitznamen. Arnold wurde zum 'Austrian Oak', Franco zum 'Sardinian Samson'. 1970 zog es Joe jedoch wieder aufs Meer.

Er verkaufte sein Gold’s Gym mit allen Rechten, was er nur wenige Jahre später und bis zu seinem Tod tief bereute. Den Schmerz überwand er später durch die Gründung des World Gym, einer ebenfalls sehr erfolgreichen Studiokette.

Jahrzehntelange tiefe Freundschaft

Wie viele andere Menschen war ich bei unserer ersten Begegnung 1974 von Joe Gold und seinem 'Ur'-Gold’s Gym fasziniert. Unsere bis zu seinem Tod andauernde Freundschaft empfinde ich als besonderes Geschenk in meinem Leben.

Das Schicksal wollte, dass ich ihn am 2. Juli 2004 noch in seiner Wohnung direkt am World Gym in Marina del Rey besuchen konnte. Bis dahin hatte ich nicht gewusst, wie schlecht sein Gesundheitszustand tatsächlich war und ich war deshalb tief betroffen.

Es wird mir für immer unvergesslich bleiben, dass er mich trotzdem in seinen Privaträumen empfing. Wir sprachen über den Tod von Marlon Brando am Tag zuvor und über die 'Golden Era'.

Zehn Tage später starb Joe Gold und wurde seinem Wunsch entsprechend vor der Küste Kaliforniens auf See bestattet.

Mediale Würdigung der Bodybuilding-Ikone

Die New York Times bezeichnete Joe Gold anlässlich seines Todes als 'Schöpfer des Bodybuilding-Mekkas' und bezog sich dabei nicht nur auf das Gold’s Gym, sondern auch auf das World Gym mit damals fast 1.000 Sportstudios in mehr als 50 Ländern.

Dass die Presse so umfangreich über die für Bodybuilding- und Fitness-Fans in aller Welt sehr traurige Nachricht berichtete, ist darauf zurückzuführen, dass am 13. Juli 2004 aus dem California State Capitol eine offizielle Erklärung zum Tod von Joe Gold abgegeben wurde. Absender war der 38. Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger.


„Ich bin sehr traurig über die Nachricht von Joe Golds Tod. Joe war ein vertrauensvoller Freund und eine Vaterfigur für mich und er war bestimmend für mein Training in meinen Tagen als Bodybuilder. Gold’s Gym war nicht nur eine Trainingseinrichtung, sondern mein Zuhause. Joe war eine Inspiration für viele und sein Tod trifft die gesamte Fitnessgemeinschaft sehr.

Sofort nach meiner Ankunft in Amerika 1968 kümmerte sich Joe um mich. Er hat mir Mut gemacht und sein trockener Humor war täglich etwas Besonderes im Studio. Joe Gold war eine Bodybuilding-Legende, ein Pionier, aber vor allem war er ganz tief in seinem Herzen ein Bodybuilding-Fan. Die Welt wird ärmer sein ohne ihn. Joe war 36 Jahre lang ein lieber Freund. Ich werde ihn vermissen.“

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Arnold Schwarzenegger


Die Vorreiterfunktion des Gold‘s Gym

Es war immer etwas ganz Besonderes, Joe und Arnold gemeinsam im Studio zu erleben – man spürte sofort die ideale gegenseitige Ergänzung und Liebe.

Die Assoziationen waren Trainer und Athlet, Vater und Sohn. Der außergewöhnliche Gold’s Gym-Spirit und das außergewöhnliche Charisma Arnold Schwarzeneggers inspirierten Filmemacher George Butler zum Doku-Drama 'Pumping Iron', das Bodybuilding erstmals auf Mainstream-Niveau katapultierte und damit die Existenz der Gyms einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte.

Alle Trainingsszenen wurden im Gold’s Gym gedreht. Schon kurz nach der Premiere 1977 konnten sich die damaligen Inhaber vor Anfragen nicht retten.

Das Gold’s Gym wurde zum Global Player. Dieser Erfolg war der Auslöser dafür, dass sich die Fitnessbranche in den kommenden Jahrzehnten in ihrer großen Vielfalt entwickeln konnte.

Vor 1977 wurde das in den Gyms praktizierte Training belächelt, kritisiert oder rundweg abgelehnt – auch von Ärzten, Trainern, Therapeuten und Wissenschaftlern.

Heute findet man Gyms beziehungsweise Fitnessstudios überall auf der Welt. Das Zeitalter der modernen Fitnessbranche begann mit der Gründung des Gold’s Gym 1965.

Dem neuen Eigentümer, Rainer Schaller, wünsche ich eine glückliche Hand und gutes Gelingen, um das Vermächtnis von Joe Gold erfolgreich mit neuem Leben zu erfüllen. (Lesen Sie jetzt weiter: 'Gold's Gym eröffnet in Berlin')

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