Fitness, Gesundheit, Markt | Autor/in: Iris Borrmann |

FAQ zum Fachkundenachweis – Handlungsbedarf für Anbieter:innen von EMS-Training

Das EMS-Segment der Fitness- und Gesundheitsbranche mit derzeit mehr als 1.400 reinen EMS-Studios in Deutschland sieht sich jüngst mit neuen Anforderungen an die Betriebe konfrontiert. Viele Anfragen bzgl. der Novelle der NiSV („Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen“) sind beim DSSV eingegangen. Welche Maßnahmen die EMS-Betriebe jetzt umsetzen müssen und wie das Bußgeld von bis zu 50.000 EUR vermieden werden kann, erklärt DSSV-Juristin Iris Borrmann.

Gesetzesnovelle NiSV: Was es beim EMS-Training ab 1. Januar 2023 zu beachten gilt.

Hier weiterbilden und Zertifikat erwerben: Der Lehrgang „EMS-Trainer/in“ des DSSV-Bildungspartners BSA-Akademie erfüllt die Anforderungen zum Ersterwerb der „Fachkunde EMF“ zur Stimulation gemäß NiSV. Eine „Fachkunde EMF“-Zertifizierung für Trainer:innen in EMS-Studios bietet die BSA-Zert an.


1. Wer benötigt einen Fachkundenachweis?

Der Betreiber von EMS-Geräten, die „zu nichtmedizinischen Zwecken gewerblich oder im Rahmen sonstiger wirtschaftlicher Unternehmungen eingesetzt werden“, muss sicherstellen, dass die Personen, die die Anlage anwenden, über die erforderliche Fachkunde verfügen (siehe §§1, 4 NiSV).

Fachkundenachweis für Trainer:innen & Betreiber:innen

Das bedeutet, dass der Betreiber verpflichtet wird, die Fachkunde derjenigen Anwender:innen (Trainer:innen) nachzuweisen, die in ihrem Auftrag bzw. als ihre Angestellten das EMS-Training mit Mitgliedern bzw. Kund:innen durchführen. Auch der Betreiber selbst benötigt einen Fachkundenachweis, wenn er mit Kund:innen trainiert.


Lesen Sie auch: 'Was gilt im EMS-Bereich?'


Sollen Kund:innen das Training ohne Trainer:in durchführen, so muss der Betreiber sicherstellen, dass von den Kund:innen Fachkundenachweise vorgelegt werden.

Eine ähnliche Problematik ergibt sich für die während der Corona-Pandemie entstandenen Vermietungs- oder Hybridmodelle, bei denen die Kund:innen teilweise zu Hause oder outdoor allein trainieren können.

 

Durch die in §1 NiSV definierten „sonstigen wirtschaftlichen Unternehmungen“ gelten nämlich die Pflichten, die in der NiSV für den Betreiber definiert sind, nicht ausschließlich für die typischen EMS-Studios, sondern sie betreffen auch das Verleihen oder Vermieten von EMS-Geräten im wirtschaftlichen Zusammenhang.

Fachkunde beim Distributionsmodell

Ziel des Gesetzes ist es, Verbraucher:innen vor den schädlichen Wirkungen dieser Strahlung besser zu schützen. Dies würde umgangen, wenn den Kund:innen durch das Distributionsmodell keine fachkundigen Trainer:innen mehr zur Verfügung stehen würden.

Bezugnehmend auf die Ausgangsfrage bedeutet dies: Ein Betreiber, der EMS-Geräte zur Selbstanwendung vermietet oder zur Verfügung stellt, muss sich von Kund:innen ebenfalls einen Fachkundenachweis vorlegen lassen.

2. Wie kann die Fachkunde erworben werden?

Die erforderliche Fachkunde wird durch die erfolgreiche Teilnahme an einer geeigneten Schulung erworben (Fachkunde EMF zur Stimulation). Dies muss bis zum 1. Januar 2023 erledigt sein – und sicherlich werden die Ausbildungsplätze zum Ende hin knapp.


Verpassen Sie keine Fitness-NEWS mehr!
FOLGEN Sie uns bei FacebookLinkedIn, Instagram & Twitter


Fachkunderichtlinien des BMUV

Daher besser umgehend reagieren. Das BMUV hat dazu Fachkunderichtlinien entwickelt, nach denen sich die Anbieter der Schulungen zertifizieren lassen konnten, darunter etwa die BSA-Zert.

3. Welche Konsequenzen hat ein Verstoß gegen diese Forderung der NiSV?

In §12 der NiSV sind sämtliche Verstöße gegen die Verordnung aufgezeigt; auch der Verstoß gegen die Pflichten aus §4 NiSG, nämlich das Fehlen eines Fachkundenachweises, bildet eine Ordnungswidrigkeit ab und ist bußgeldbewehrt; Bußgelder von bis zu 50.000 EUR können verhängt werden.

4. Sind Kontrollen zu erwarten?

Das Inkrafttreten der Regelungen zum Nachweis der erforderlichen Fachkunde der Anbieter:innen war bereits zum 31. Dezember 2021 vorgesehen. Der Bundesrat hatte einer coronabedingten Fristverlängerung um ein Jahr, also bis 31. Dezember 2022, zugestimmt. Demnach sind Kontrollen des Fachkundenachweises ab 1. Januar 2023 zu erwarten.


Lesen Sie auch: 'Mehr Professionalisierung'


Das Land Schleswig-Holstein hat bereits erste Kontrollen direkt nach Inkrafttreten der Melde- und Dokumentationspflicht durchgeführt. Die AG der Länder zum NiSV, deren Vorsitz derzeit das Bundesland Hessen innehat, hat in einer Nachricht vom 12. Mai 2022 auf die fristgerechte Einhaltung der Vorgaben der Fachkunde hingewiesen.

Hintergrundinformationen NiSV

Weitere Informationen zur NiSV sind beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) in der 'Richtlinie Fachkunde für Anwendungen nichtionisierender Strahlungsquellen' und in den Hinweisen zur 'Zuständigkeit der Bundesländer NiSV' abrufbar sowie beim DSSV.

Mehr zum Thema: 'Selbständig mit EMS'


Über die Autorin

Iris Borrmann ist seit 1993 als Rechtsanwältin zugelassen und hat seitdem sowohl als Anwältin in einer arbeitsrechtlich ausgerichteten Kanzlei als auch in der Mitgliederberatung eines Verbandes gearbeitet. Ihr Schwerpunkt ist das Arbeitsrecht. Seit Oktober 2016 ist sie als Syndikusanwältin für den DSSV tätig und berät Sie zu allen Fragen rund um das Arbeitsverhältnis zu Ihren Beschäftigten.

Unsere Partner
Webinare
EGYM
myFitApp
gym80
InBody
MATRIX
miha bodytec
seca
DHZ Fitness Europe GmbH
FIBO
formedo
Hoist
KS Einrichtungen
Medical Active
milon
Technogym
Unser Netzwerk
EuropeActive
BfB
BSA-Akademie
Aufstiegskongress
DSSV e. V.
DHfPG
BSA-Zert
aufstiegsjobs.de