Fitness, Gesundheit, Markt, Anzeige | Autor: seca |

Neue Anforderungen an präventives Training

Die Lebenserwartung wächst und mit ihr erstmalig auch eine Zielgruppe anspruchsvoller und zahlungskräftiger Menschen, die gesund, schön und fit altern wollen. Die Folgen des aktiven Alterns sind steigende Raten von Hüft- und Kniegelenksprothesen in den developed countries. In den USA stieg die Zahl der Hüftprothesen Erstimplantationen insbesondere bei den sportlichen Baby Boomern zwischen 2005 und 2011 um 28% an. Die Verknüpfung von Sport, Medizin und Gesundheit gewinnt in der Zielgruppe an Bedeutung und die Nachfrage nach gesundheitlich ausgerichteten Trainings- und Präventionsangeboten wächst.

Active Aging: seca Trendreport Medical Fitness – Teil 4

Was gesellschaftliche und gesundheitliche Trends wie beispielsweise Selbstoptimierung, Feminisierung und Neunormierung des Körpers mit Medical Fitness zu tun haben und was sie für Fitnessstudios bedeuten, zeigt der neue seca Trendreport Medical Fitness (Mehr dazu in unserer Infografik The Future of Fitness).

fitness MANAGEMENT stellt diesen Trendreport exklusiv in einer fünfteiligen fM ONLINE-Serie vor und zeigt immer freitags einen der fünf Top-Trends detailliert auf. In Teil 4 geht es um das Thema 'Active Aging'.

Zwischen 1996 und 2016 ist die Zahl der +64-Jähigen in Deutschland von rund 13 Millionen auf 16,7 Millionen angestiegen. Damit machten sie 2016 einen Anteil von 20,6% der Gesamtbevölkerung aus (1996: 15,9%).1

Bis zum Jahr 2030 wird der Anteil voraussichtlich auf mindestens 32% steigen,2 denn die Geburtenraten bleiben niedrig, während die Lebenserwartung weiter zunimmt: Lag sie 2016 bei 83,4 (♀) beziehungsweise bei 78,7 Jahren (♂),3  wird sie 2030 bei 85,86 (♀) respektive 81,96 (♂) liegen.4

Dafür verantwortlich sind unter anderem eine bessere gesundheitliche Versorgung, gute Ernährung, Bewegung und die Hinwendung zu einem neuen Healthstyle. Gesellschaftlich bedeutet der demografische Wandel eine große Herausforderung, für gesundheitsorientierte Fitnessanbieter birgt er ein großes Potenzial.


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Alternde Gesellschaften werden aktiver

Während in der Vergangenheit der Ruhestand in der Regel wörtlich genommen wurde, ist heute weltweit das Bemühen erkennbar, das Plus an Lebensjahren in ein Plus an gesunden Lebensjahren zu verwandeln: In Ländern mit steigendem Wohlstand und längerer Lebensdauer steigt auch vermehrt der Wunsch nach Gesundheit und damit die Nachfrage nach Fitnessangeboten.

Die wachsende Lust, sich auch im Alter körperlich zu betätigen bestätigt auch Dr. Britta Manchot, Expertin für Age Management, Alters- und Sportmedizin: „Die Tragik des Alterns besteht darin, dass wir nicht einfach älter werden – was ja per se eine gute Entwicklung ist – sondern, dass mit dem steigendem Alter sich auch das Risiko erhöht, mit altersbedingten Krankheiten konfrontiert zu sein. Gerade weil wir immer älter werden, wächst auch der Wunsch, gesund zu bleiben!

Und so nimmt die Bereitschaft, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen und sich auch im Alter fit zu halten, entsprechend zu, um die gesunde Lebensspanne zu verlängern.“

Zwar weisen ältere Erwachsene ab 66 Jahren eine niedrigere körperliche Aktivität im Vergleich zu den anderen Altersgruppen auf, doch die Differenzen sind geringer als allgemein vermutet. Ältere Menschen trieben laut DKV Report 2018 im Durchschnitt 49 Minuten intensiv und 98 Minuten moderat pro Woche Sport; 38% von ihnen erreichen den Aktivitätsbenchmark nach den Empfehlungen der WHO, bei den 45- bis 65-Jährigen erreichen diesen 45%.

Motivation zum Sport im Alter

„Die Motivation Sport zu machen unterscheidet sich im Generationenvergleich gar nicht so stark. Denn egal, ob es um ein Sixpack, straffere Haut, Leistungsfähigkeit oder den Erhalt von Ausdauer, Beweglichkeit und Kraft geht – im Kern geht es immer darum, das biologische Alter zu verjüngen“, so Dr. Manchot.

„Wie sich das dann im Verhalten äußert und ob der Fokus dabei eher auf Gesundheit oder Schönheit liegt, ist allerdings unterschiedlich ausgeprägt. Allen geht es darum, ihre individuellen Risikofaktoren für das Altern zu vermeiden oder auszuschalten.“

Denn mit steigendem Alter verschiebt sich oftmals der Schwerpunkt: weg vom alleinigen Wunsch nach einem besseren Aussehen und hin zu einem gesundheitsoptimierenden Lebensstil, um lange eigenständig zu bleiben. Denn die wenigsten Älteren ab 50 Jahren haben Angst vor dem Altern (12%), vielmehr beunruhigt sie der Gedanke, ihre Selbstständigkeit durch Krankheiten zu verlieren und auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein (75%). 42% haben zudem Angst vor dem Verlust der Lebenslust und Energie und weitere 49% fürchten sich vor Schmerzen.5

Boomende Boomeritis

Der neue sportliche Aktionismus der Generation 50+ kommt nicht von ungefähr. Die Baby Boomer, geboren nach dem 2. Weltkrieg bis Mitte der 60er Jahre, sind die wohl erste Generation, die mit der Maxime von Freiheit und Selbstverwirklichung groß geworden ist und die Sport aus Freude an Bewegung und Ausdruck von Selbstbestimmtheit treibt. Heute beobachten wir: Wer zeitlebens Sport getrieben hat, hört damit im Alter nicht auf.

Im Gegenteil. 'No pain, no gain' scheint das Motto vieler älterer Sportler zu sein. Wenn die Muskeln nach dem Training nicht brennen, hat es auch nichts gebracht. Die Folge sind steigende Raten von Hüft- und Kniegelenksprothesen in den developed countries. In den USA stieg die Zahl der Hüftprothesen Erstimplantationen zwischen 2005 und 2011 um 28% an, wobei der nicht demografisch bedingte Anstieg bei 13% lag.

Auch andere entzündliche Leiden wie die Arthritis, Tendenitis, Bursitis nehmen zu, weswegen der amerikanische Mediziner Dr. Nicholas DiNubile schon früh vom Krankheitsbild der Boomeritis sprach.6

Tatsächlich zeigt sich, dass gerade die Baby Bommer dem Thema Sport im Alter eine neue Bedeutung geben. Wenn alle alt sind, möchten alle jung sein. Sich nicht nur so fühlen, sondern auch so aussehen. So sind die Boomer nicht nur die erste Generation, die mit dem Sport erwachsen geworden sind, sondern auch die Ersten, die erwarten, dass sie bis weit in ihre 80er hinein trainieren können wie zuvor.

Dr. Manchot: „Im Alter von 25 bis 30 Jahren sind wir auf dem Zenit unserer Leistungsfähigkeit. Ab dann beginnt rein körperlich der Verfall, auch wenn wir uns noch so jung fühlen. Um die 50 nehmen lebenswichtige Hormone bei Mann und Frau ab, was zum Abbau von Muskelmasse führt und damit das Verletzungsrisiko bei der gleichen Sportart um ein Vielfaches steigt. Dieses Risiko verkennen insbesondere diejenigen, die ihr ganzes Leben aktiv waren. Denn sie wähnen sich in der trügerischen Sicherheit, dass sie doch schon immer Sport gemacht haben.“

Wettbewerbsvorteil durch Fokussierung gesundheitsorientierte Fitnessangebote

Noch Ende der Sechzigerjahre war Sport im Alter für fast alle Deutschen ein Widerspruch in sich. Nur einer von hundert Rentnern trieb regelmäßig Sport. Nach einem oft körperlich fordernden Berufsleben hieß Rente Ruhestand.

Doch der menschliche Körper ist nicht dafür gemacht, nichts zu tun. Er muss belastet werden, um lange zu funktionieren. Ärzte propagieren aus diesem Grund längst den aktiven Ruhestand. Mit Erfolg: Unter den 65- bis 85-Jährigen sagt heute jeder Dritte, er treibe einmal pro Woche Sport, jeder Fünfte tut es mehrmals pro Woche.7

„Das Altern ist ein sehr komplexes Thema. Um es aufzuhalten bedarf es unterschiedlicher Hebel und Bewegung ist ein ganz wesentlicher, denn Altersgebrechlichkeit und altersassoziierte Krankheiten wie Diabetes, Schlaganfall oder Herzinfarkt können durch rechtzeitige Prävention hinausgezögert beziehungsweise verhindert werden. Präventive Fitnesskonzepte müssen entsprechend früh ansetzen und sich dann bis ins hohe Alter durchziehen, um den positiven Effekt des Sports bestmöglich zu nutzen.“

Hier ergeben sich für gesundheitsorientierte Fitnessanbieter laut Dr. Manchot gleich zwei spannende Zielgruppen: Die Jüngeren, um frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen und die Älteren, die ihre Gesundheit erhalten oder verbessern wollen. „Je älter die Zielgruppe wird, desto wichtiger sind eine individuelle Betreuung und Trainingsplanung. Fortschrittliche Studios erfassen beispielsweise insbesondere bei Älteren die Muskelmasse, um Dysbalancen oder Schwächen zu erkennen und auf Basis dieser individuellen Daten die Trainingspläne entsprechend auszurichten. Die integrative Betrachtung von Gesundheit und Fitness, eine professionelle Aufklärung und individuelle Trainingskonzepte, die Cardio- und Krafttraining gleichermaßen berücksichtigen, sind für die Mitglieder ein Segen.“

Mit diesem qualitativen Gesundheitsansatz entstehen für anspruchsvolle Studios neue Positionierungsoptionen und Wettbewerbsvorteile im umkämpften Fitnessmarkt.


 

 


Ein Ausblick von Corinna Mühlhausen,

Trendforscherin und Professorin für Trendforschung und Zukunftsforschung an der TH Lübeck


"Der demografische Wandel wird anhalten. Und mit den alternden Selbstoptimierern und gesundheitsbewussten, heute jungen Sportlern wird die Zielgruppe der aktiven, anspruchsvollen Best Ager noch wachsen.
Die Nachfrage nach präventivem, ganzheitlichem Sport wird weiter steigen und einen völlig neuen Markt für entsprechende Fitnesskonzepte und Analysetools öffnen."


Exklusive Online Serie zum Trendreport

Das 1. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Trend Selbstoptimierung 2.0: Studios müssen Mehrwert zu Wearables und YouTube bieten haben wir direkt hier für Sie verlinkt.

Das 2. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Feminisierung der Fitnesswelt: Frauen haben ganzheitliches Gesundheitsbewusstsein und fordern Effizienz finden Sie hier.

Das 3. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Neunormierung des Körpers: Übergewicht und Body Positivity erfordern von Studios neue Bewertungsmaßstäbe von Gesundheitist hier verlinkt.

Das 4. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Active Aging: Neue Anforderungen an präventives Training (dieser Artikel).

Das 5. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Best Case Medical Fitnesslesen Sie exklusiv hier als Teil 5 unserer Online-Serie.


Weitere Zahlen, Fakten und Expertenstimmen rund um die Trends finden Sie im seca Trendreport Medical Fitness sowie im Statement- und Best-Practice-Paper und auf www.seca.com/trendreport.

[1] 'Lebensformen älterer Menschen', Destatis, 2018 auf Basis des Mikrozensus 2016

[2] Destatis – auf Grundlage der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung nach Ländern

[3] WHO, 2016: HALE: Health adjusted life expectancy

[4] Imperial College London / WHO 2017

[5] TNS Infratest 2016

[6] Hip and knee replacement in Germany and the USA—analysis of individual inpatient data from German and US hospitals for the years 2005 to 2011. Deutsches Ärzteblatt Int 2014; 111(23-24): 407-16; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0407

[7] Der Spiegel 4/2017