Groß, größer, FIT/ONE?

Der Schreck war groß, als bekannt wurde, dass die Harlekin GmbH, einer der Marktführer der deutschen Spielhallenindustrie, unter dem Namen FIT/ONE die Fitnessbranche für sich entdeckt hatte. Egal ob Discount-Kette oder Premium-Anlage – in kürzester Zeit stand die Frage im Raum: Wie kann dem finanzstarken Konkurrenten Paroli geboten werden? Doch auch wenn der Schreck und das Interesse groß war und ist und die Expansion der teilweise 8.000 qm großen Studios in riesigen Schritten voranschreitet – viel wissen tut man über den ambitionierten Quereinsteiger aus der Glücksspielindustrie nicht. Die fitness MANAGEMENT wollte dies ändern und besuchte den Marketingmanager und Art Director Marcel Riedlinger in Stuttgart zu einem Gespräch.

Fotos: Richard Cseke

Von Dustin Tusch 

Das Konzept: groß, größer, am größten
Seit der letzten Eröffnung der Anlage in Nürnberg im Dezember letzten Jahres zählt die aus Waldbrunn stammende Kette FIT/ONE sieben Studios. Neben der Frankenmetropole zählen zu den bisherigen Standorten die Großstädte Stuttgart, München, Frankfurt und Hamburg, aber auch kleinere Städte wie Paderborn und Raunheim. Das Konzept ist dabei einheitlich: FIT/ONE strebt in seinen jeweiligen Städten in Sachen Größe, Ausstattung und Lage nicht weniger als die Marktführerschaft an. Betritt man beispielsweise die 6.000 qm große Anlage in Stuttgart, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: Eine zentral gelegene Immobilie mit sechs Etagen, die das Herz eines Fitnesssportlers zwangsläufig höher schlagen lässt. Unter der Glaskuppel der Anlage befindet sich eine schier unendliche Anzahl von Kraft- und Ausdauergeräten sowie jede erdenkliche Form von Functional Training-Equipment, die man in einer Fahrt mit dem hauseigenen Glasaufzug wunderbar überblicken kann. Zwei große Kursräume, in denen sowohl Live- als auch Cyber-Kurse angeboten werden, und ein Wellnessbereich finden ebenfalls ihren Platz.

„Wir versuchen über die Ausstattung, die Größe und das Angebot dem Fitnessbegeisterten ein Premium-Fitness-Gefühl zu vermitteln“, erklärt Marketingmanager Macel Riedlinger die Philosophie. „Die Kombination aus einem Premiumangebot und einem Discountpreis ist die Hauptstrategie von unserem Geschäftsführer Moritz Mühleck.“

Geschäftsführer Moritz Mühleck möchte sich von Discount-Konkurrenz absetzen
Moritz Mühleck, Sohn des Investors und Inhabers der Harlekin GmbH Michael Mühleck, hat sich seine Expertise in der Fitnessbranche u. a. über viele Geschäftspartner und Lieferantenbeziehungen angeeignet. Mit dieser Erfahrung im Rücken ist er nun dabei mit der Marke FIT/ONE den Markt neu zu sortieren und sich von der etablierten Discount-Konkurrenz abzusetzen. Marcel Riedlinger dazu: „Wir haben lang und breit darüber gesprochen, wie es um den deutschen Discountmarkt in der Branche bestellt ist. Dabei fällt auf, dass das Credo lautet: so billig wie möglich. Unser Angebot soll sich jedoch auf keinen Fall allein über den Preis definieren, sondern mit der Ausstattung, den Kursen, der Sauna und dem Personal Training über den Discountgedanken hinausgehen.“

Gruppentraining als Zugpferd der Zukunft 
Dabei spielt vor allem die Segmentierung der Mitgliedschaften eine zentrale Rolle. Während man mit einer Basic-Mitgliedschaft bereits für 18,- EUR im Monat trainiert, bedarf es für die Nutzung der Kurse, der Sauna und der Getränke-Flatrate 28,- EUR und für ein zusätzliches zweimaliges Personal Training 38,- EUR im Monat. Interessant dabei: 80 % der FIT/ONE-Mitglieder haben sich für die 28,- EUR-Variante entschieden und immerhin noch 8 % für die PT-Variante. „Dass unsere mittlere Preisvariante am meisten Zuspruch findet liegt daran, dass Gruppenkurse stark nachgefragt werden“, beschreibt Riedlinger den nach eigenen Aussagen zukünftig größten Trend der Branche, von dem man profitieren möchte.

„McFIT beschäftigt sich höchstwahrscheinlich mehr mit uns, als wir uns mit ihnen“
Dass sich der Konkurrenzdruck vor allem auch im Discountbereich seit Jahren verstärkt, nimmt auch FIT/ONE zur Kenntnis. An ihrer Ausrichtung und Expansion ändert diese Entwicklung jedoch nichts, denn: „Die aktuelle Zahl von knapp 10 Millionen Trainierenden wird sich nach unserer Ansicht in Zukunft verdoppeln. Der Konkurrenzdruck wird dennoch zunehmen, was einige Mitbewerber sicherlich auch spüren werden. Aber es gibt genug Potenzial auf dem Markt – in jedem Fall für unser Konzept“, ist sich der Marketingmanager sicher. Und am Branchenprimus McFIT wird sich weder gestört, noch spiele dieser in der Unternehmensentwicklung eine übergeordnete Rolle. „McFIT beschäftigt sich höchstwahrscheinlich mehr mit uns, als wir uns mit ihnen.“

Durchgehende Öffnungszeiten sucht man vergeblich
In Anlagen, die bis zu 8.000 qm groß sind und in denen täglich viele hunderte Mitglieder trainieren, kann Sauberkeit zum Problem werden. Dieser Gefahr war man sich von Anfang an?bewusst, weswegen man die Öffnungszeiten – anders als die direkte Konkurrenz – bewusst begrenzt hat, so Marcel Riedlinger: „Wir öffnen in allen Anlagen einheitlich um 6 Uhr und schließen um Mitternacht. Dies hat vor allem zwei Gründe: erstens benötigt unser Reinigungsteam vier Stunden, um unsere großen Clubs für den Morgen in bestem Zustand vorzubereiten und zweitens spielt der finanzielle Aspekt natürlich auch eine Rolle, da wir so Personalkosten in schwach besuchten Zeiten einsparen.“

Welche Standards setzt FIT/ONE bei der Mitarbeiterqualifikation?
In den stark ausgelasteten Zeiten befinden sich sechs Trainer auf der Fläche, in schwächer frequentierten Zeiten mindestens drei. Dabei weisen laut FIT/ONE alle Trainer mindestens eine B-Lizenz auf, bei den Personal Trainern sind die Anforderungen entsprechend höher. „Unsere Personal Trainer werden alle am Olympiastützpunkt des DOSB ausgebildet und können eine A-Lizenz vorweisen. Wenn wir ganz oben mitmischen wollen, müssen wir auch auf den perfekten Mix an Mitarbeitern achten. Unser Ausbildungs- und Fortbildungsplan hilft uns dabei enorm“, erklärt Marcel Riedlinger den Anspruch der Kette. Außerdem lege man darauf wert, dass alle Trainer direkt bei FIT/ONE angestellt sind – auf externe Trainer verzichte man.

40 Anlagen sind das mittelfristige Ziel – teilweise auch außerhalb Deutschlands
Wer bisher gedacht hat, FIT/ONE würde es mit dem Fitnessmarkt nicht sonderlich ernst nehmen, dürfte aufhorchen, wenn der Expansionsleiter von FIT/ONE, Christian Boschofsky, über seine Pläne spricht. Neben einer Mindestgröße von 2.500 qm, guter Sichtbarkeit und zentraler Lage der Immobilie, hohen Decken und guter Verkehrsanbindung, spielt die Größe des jeweiligen Ortes nur bedingt eine Rolle. „Wir machen keinen Halt vor Orten, die auf den ersten Blick vielleicht nicht wie eine Metropole erscheinen“, verrät er. Städte wie Paderborn mit knapp 150.000 und Raunheim mit gerade einmal 15.000 Einwohnern unterstreichen diese Strategie. Aus den bisher sieben bestehenden Anlagen sollen Ende des Jahres 14 und bis 2018 20 Anlagen werden. Das übergeordnete Ziel der Expansion von ?FIT/ONE lautet 40 Anlagen – vorerst. 

www.fit-one.de