Die USA wird häufig als Quelle für neue Fitness-Trends betitelt. Auch wenn Deutschland in den Bereichen Qualität und Ausbildung führend ist, schauen viele Betreiber nach Nord-Amerika. Insbesondere in Kaliforniern lassen diese sich von neuen Trends und interessanten Konzepten inspirieren – wohlwissend, dass diese nicht eins zu eins auf die deutsche Fitness- und Gesundheitsbranche übertragbar sind. Dennoch bietet ein Blick über den Tellerrand hinaus eine gute Möglichkeit, gewohnte Aspekte im eigenen Club zu überdenken und gegebenenfalls neue Ideen zu integrieren. fitness MANAGEMENT international hat sich die Fitness-Szene in Los Angeles näher angeschaut und die angesagten Clubs in Venice Beach und Santa Monica besucht.

Direkt an der Strandpromenade von Venice Beach befindet sich der bekannteste Fitnessclub in Los Angeles, der Muscle Beach. Umgeben von vielen anderen Sportangeboten wie Volleyball-, Basketball- und Tennisplätzen, Fahrradwegen und Skateparks liegt die legendäre Trainingsstätte unter freiem Himmel. In den 1970er-Jahren gewann der Muscle Beach durch den mehrfachen Mr. Universum sowie Mr. Olympia, Filmstar und auch ehemaligen Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, an Popularität. Das regelmäßige Training von Schwarzenegger am Muscle Beach gilt als der Beschleuniger für den Fitness-Boom und verwandelte das Open-Air-Studio in eine Pilgerstätte für Fitnessbegeisterte und Touristen. Daneben diente das Areal als Drehort für zahlreiche Filme aus Hollywood, was den rustikalen Charakter der Trainingsstätte noch stärker betonte und die weltweite Bekanntheit weiter vorantrieb.  

So sagenumwoben die Atmosphäre am Muscle Beach ist, so rudimentär ist seine Ausstattung. Für die großen Muskelgruppen steht jeweils ein Kraftgerät zur Verfügung. Daneben gibt es einen Kurzhantelbereich sowie Reckstangen für Klimmzüge oder ähnliche Übungen. Die Gerätschaften sind auf einem Betonpodest aufgebaut und damit einige Zentimeter von der touristendurchströmten Strandpromenade erhöht. Umgeben ist der Muscle Beach von einem Maschendrahtzaun, der in einem massiven Metallgestell aufgehängt ist. Geräte für Herz-Kreislauf-Training finden die Kunden des Muscle Beach nicht; dafür müssten sie beispielsweise auf die Jogging- oder Fahrradstrecke am Strand ausweichen. 

Heute wird der Muscle Beach vermehrt für Events genutzt und von Touristen besucht, die die muskelbestückten Stammkunden der Einrichtung beim Training beobachten. Der touristische „Durchschnittskunde“, der ein einfaches Workout abhalten möchte, könnte sich unter Umständen etwas „schmal“ vorkommen. Die Zielgruppe des Muscle Beach spricht vorrangig Personen an, die einen Bizepsumfang von 40 Zentimetern und mehr vorweisen können und sich teilweise auch zum Inventar des Muscle Beach zählen. Ein Erlebnis bleibt es allemal.

Gold’s Gym war einer der ersten Kettenbetreiber, die in den USA auf nationaler und internationaler Ebene tätig waren. Mit dem Fitness-Boom in den 70ern, durch den auch der Muscle Beach groß geworden ist, profitierte die ganze Fitnesslandschaft in Los Angeles. 1965 eröffnete Joe Gold sein erstes Gold’s Gym Studio in Venice Beach. Auf Grund der großen Popularität eröffnete er in den folgenden Jahren weitere Anlagen, um auch den Fitnessbegeisterten außerhalb von Los Angeles das Gold’s Gym-Trainingserlebnis anbieten zu können. Insbesondere der Fitness-Kultfilm „Pumping Iron“ aus dem Jahr 1977 bescherte der Kette internationale Bekanntheit. Das Image und der Markenwert von Gold’s Fitness-Studios war der TRT Holdings, Inc. 2004 ein Kaufpreis von US$ 154 Mio. wert. Laut eigenen Angaben hatte die Kette im Jahr 2014 mehr als 700 Clubs in 38 Staaten und 28 Ländern.  

Das Studio in Venice Beach bildet eine klassische Mischung aus Geräten für Kraft-, Herz-Kreislauf- und Gruppentraining. Neben dem klassischen Training gemäß der drei Kategorien nach DIN 33961 läuft der Kunde beim Empfang direkt in den Gold’s Gym Merchandise Shop, wo er auf aktuelle Kollektionen für Fitnessbekleidung und Nahrungsergänzungsmitteln trifft. Um diese Nebenumsätze zu generieren, nutzt Gold’s Gym nicht nur die Shops im Studio selbst, sondern vertreibt seine Produkte auch online oder bei Events wie beispielsweise der FIBO 2017 in Deutschland.

Bewegt sich der Kunde vom Shop und Empfangsbereich in Richtung Trainingsfläche, trifft er auf eine Wand mit den Bildern der Trainer. Darauf sind neben den Namen auch deren Ausbildung und Qualifikation, aber auch deren Angebot im Personal Training-Bereich ersichtlich. Die Preise für 60 Minuten betragen zwischen US$ 60 bis teilweise über US$ 200, abhängig von der jeweiligen Erfahrung und Qualifikation des Trainers. So kann der Kunde selbst entscheiden, wie viel er bereit ist zu zahlen und welchen Trainer mit welcher Qualifikation er in Anspruch nehmen möchte. 

Daneben gibt es eine Ehrenwand, auf der ausgewählte Mitglieder mit Foto aufgeführt werden. Die restlichen Wände sind mit Bildern von Athleten, beispielsweise aus der National Football League (NFL) sowie deren Trikots, behängt. Dies verleiht dem ganzen Club ein unverwechselbares Flair. Ganz nach dem Motto: Hartes Training ist die Voraussetzung für zukünftigen Erfolg.

Barry Jay hatte die Idee, neben seiner eigentlichen Tätigkeit als Personal Trainer vieler Hollywood-Stars, ein gruppenbasiertes Kraft-Ausdauer-Training zu entwickeln. Seine Idee sprach an. 1998 eröffnete er sein erstes Studio in West Hollywood. Die nationale und internationale Expansion wurde ab dem Jahr 2011 vorangetrieben. Laut eigenen Angaben zählte Barry’s Bootcamp Ende 2016 weltweit über 40.000 Mitglieder, die wöchentlich trainieren. 

Das Konzept basiert darauf, dass die Trainierenden einzelne Klassen buchen, die 60 Minuten unter Anleitung eines Instruktors stattfinden. Die Gruppengröße ist auf bis zu 40 Teilnehmer pro Kurs angelegt. Im Fokus stehen dabei funktionelle Übungen, die abwechselnd Elemente aus den Bereichen Kraft- und Ausdauertraining enthalten. Als Ausdauergeräte stehen dafür 20 Laufbänder zur Verfügung, für die Krafteinheiten 20 Bänke mit Steps sowie Kurzhanteln. Dazu gibt es laute Musik und einen Trainer, der im Stil eines Bootcamp-Leiters lautstark motiviert. Wie bei einem Split-Training werden dabei auf Tagesbasis unterschiedliche Muskelgruppen gezielt angesprochen. Im Montagsprogramm wird beispielsweise die Armmuskulatur trainiert, dienstags die Beinmuskulatur, mittwochs die Brust usw. Wer ein umfassenderes Training vorzieht, kann von Freitag bis Sonntag ein Ganzkörpertraining buchen. Auch dieses dauert nicht länger als 60 Minuten. 

Dadurch, dass Barry’s Bootcamp ein reines Gruppentrainingskonzept ist, wurde entsprechend ein webbasiertes Buchungssystem geschaffen. Der Kunde kann sich online oder telefonisch einen Platz zum gewünschten Termin reservieren. Die Termine können einzeln gebucht werden, was sich in einen höheren Preis von US$ 28 pro 60 Minuten-Kurs niederschlägt. Daneben können bis zu 50 Kurse im Paket gebucht werden, was die Kosten pro Kurs auf US$ 23 senkt. Durch dieses Terminkonzept schafft es Barry’s Bootcamp auch ohne klassische 12-monatige Vertragslaufzeit den Kunden an sich zu binden. Zusätzlicher Bindungsdruck wird durch eine No-Show-Fee von US$ 15 erzeugt. Diese Gebühr wird erhoben, wenn der Kunde einen gebuchten Termin nicht wahrnehmen kann und seine Reservierung nicht 12 Stunden vor dem eigentlichen Termin abgesagt hat.

Weitere Nebenumsätze werden durch Thekenverkäufe und Merchandise generiert. Vor dem Kurs können die Teilnehmer Shakes bestellen, die während dem Kurs zubereitet werden und nach dem Kurs abholbereit an der Theke stehen. Sportartikel wie Sweatshirts, T-Shirts oder Hosen können in den studioeigenen Shops erworben werden. Dies geschieht online oder auch bei externen Anbietern wie beispielsweise der US-amerikanischen Kaufhauskette Bloomingdale’s. 

Ein weiteres Instrument für die Kundenbindung als auch die Kundenakquise ist die Nutzung von sozialen Netzwerken. Nach dem Kurs können die Trainierenden vor einer dafür vorgesehenen Wand ein sogenanntes Boomerang-Video drehen und damit ihren Trainingsfortschritt festhalten. Dieses Video können Sie direkt per E-Mail an sich selbst oder an Freunde verschicken, oder auf sozialen Plattformen wie Instagram posten. Der Vorteil für Barry’s Bootcamp ist die direkte Weiterempfehlung durch den Kunden, die Verbreitung in den sozialen Netzen und nicht zuletzt der Erhalt von Kontaktdaten, die für spätere Marketingaktionen oder Neukundenakquise genutzt werden können. 

Orangetheory Fitness ist einer der jüngeren Fitnessbetreiber. Die Idee für das Konzept wurde von Ellen Latham entwickelt. In Fort Lauderdale, Florida, USA hat Latham bis 2010 ein Pilates-Studio betrieben, in dem sie ein gerätebasiertes Gruppentraininganbot. Dieses Training beschreibt sie als das „Ultimate Workout“. Auf dieser Basis hat Latham zusammen mit David Long und Jerome Kern Orangetheory Fitness gegründet und die Franchise-Kette im US-amerikanischen Fitnessmarkt platziert. In den darauffolgenden Jahren ist das Unternehmen in den gesamten nordamerikanischen, aber auch in den weltweiten Markt expandiert. Laut eigenen Angaben zählt Orangetheory Fitness heute über eine halbe Million Mitglieder. 

Das Trainingskonzept besteht aus drei Trainingsbereichen. Zwölf Laufbänder und zwölf Rudermaschinen stellen zwei Elemente aus dem Ausdauerbereich dar. Der dritte Teil umfasst Krafttraining mit freien Gewichten. In 60 Minuten absolvieren die Teilnehmer mehrere Intervalle in den drei Bereichen und wechseln nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne zum nächsten Bereich. Dabei ist mindesten ein Trainer für bis zu 35 Teilnehmen anwesend, gibt die Zeitintervalle vor und korrigiert die Trainierenden bei Fehlausführungen. 

Das Alleinstellungsmerkmal von Orangetheory Fitness ist die Intensität, mit der die Teilnehmer das Training absolvieren. Alle Teilnehmer tragen ein Messgerät, um die Herzfrequenz zu kontrollieren. Ziel ist es, mindestens 12 Minuten im aeroben/anaeroben Übergangsbereich zu trainieren, welcher laut Orangetheory bei 84 % der maximalen Herzfrequenz beginnt. Dadurch soll die Steigerung der Ausdauer, die Kräftigung des Herzens sowie die Fettverbrennungsrate optimiert werden. Der aerobe/anaerobe Übergangsbereich wird in der Literatur oft als orangene Herzfrequenzzonen gekennzeichnet, was auch der Namensgeber für Orangetheory Fitness ist.  

Orangetheory Fitness basiert auf Kursbasis und so sind auch die Preise strukturiert. Wird eine einzelne Einheit á?60 Minuten gebucht, beträgt der Preis US$ 28. Werden gleich vier Einheiten gebucht, beträgt der Preis pro Einheit nur noch US$ 22,25 bei einem Gesamtpreis von US$ 89 pro Monat. Daneben gibt es auch eine Flatrate für US$ 189 pro Monat, bei der es keine Begrenzung hinsichtlich der absolvierten Einheiten gibt. Dennoch gilt, dass jeder Kurs gebucht werden muss, damit ein fester Termin besteht, was entsprechend die Kundenbindung verstärkt. 

Teil 2 der Studiotour finden Sie in der kommenden Ausgabe der fitness MANAGEMENT international 04/2017.