fMi: Herr Dr. Keck, der Markt für Gesundheitsförderung und Prävention ist im Wachstum. Was sind die Treiber für diese Entwicklung?
Dr. Andreas Keck: Die Gründe liegen in einem zunehmenden Gesundheitsbewusstsein und der Alterung unserer Gesellschaft. Von der Angebotsseite her haben sich die medizinischen Möglichkeiten und die gesundheitsfördernden Konsumgüter und Dienstleistungen verbessert. Auch die Krankenkassenausgaben für Prävention steigen rasant: Innerhalb von sechs Jahren wuchs das Ausgabevolumen von 67 Mio. auf 300 Mio. EUR. Die Krankenkassen haben sich sogar auf einen Qualitätskatalog geeinigt. Im „Leitfaden Prävention“ werden vier Handlungsfelder beschrieben: Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme, Vermeidung und Reduktion von Übergewicht, Förderung individueller Kompetenzen der Belastungsverarbeitung zur Vermeidung stressbedingter Gesundheitsrisiken und Suchtmittel. Damit wird Prävention breiten Schichten zugänglich, zum Massenthema und alltagstauglich.
Sie beschreiben gerade die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen. Spiegelt sich das denn auch im Konsumentenverhalten wieder?
Dr. A. K.: Absolut! Die privaten Gesundheitsausgaben wachsen seit Jahren stabil. Es ist sogar so, dass die Ausgabebereitschaft deutlich über den tatsächlichen Ausgaben liegt. Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zeigt, dass die privaten Gesundheitsausgaben pro Jahr ca. 900 EUR betragen, die Ausgabebereitschaft jedoch bei ca. 1.140 EUR liegt. Gerade für gesundheitsorientierte Fitnessanbieter ergeben sich hier große Wachstumspotenziale.
Inwiefern Wachstumspotenziale?
Dr. A. K.: Salopp gesagt: Da draussen laufen Menschen herum und möchten Geld in Vorsorgeleistungen, also in ihre Gesundheit, investieren und es gibt keine passenden Angebote. Da klafft ganz offensichtlich eine riesige Marktlücke, die geschlossen werden muss. Denn dass Bewegungsmangel zu Krankheit führen kann, wird von den Medien tagtäglich verbreitet und gehört zum Allgemeinwissen. Bewegung ist als Teil der Körperpflege akzeptiert. Allerdings fehlt weiterhin das Wissen um die Umsetzung gesundheitsorientierten Trainings. Die Unsicherheit ist besonders groß, wenn bereits gesundheitliche Vorbelastungen bestehen und schon lange kein Sport mehr betrieben wurde. Gerade diese Kunden wollen informiert begleitet werden und sie haben Recht mit diesem Anspruch. Im Durchschnitt gehen nur etwa 5 % der deutschen Bevölkerung in ein Fitness-Studio. Dagegen leidet jeder zweite Bundesbürger an einer Volkskrankheit wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Depression, etc. Und genau um diese Risikogruppen geht es doch, wenn wir von Medical Fitness sprechen.
Sind diese Risikogruppen nicht eher ein Markt für die Medizin- als für die Fitnessbranche?
Dr. A. K.: Neueste Forschungsergebnisse zeigen, welche Bedeutung die Bewegung in Zukunft auch im Rahmen der Therapie von Erkrankungen erhalten wird. Differenzierte Konzepte für Bewegung und Ernährung sind wichtige Mittel zur Heilung bzw. Linderung. In der Regel sind die Ärzte froh, wenn ihre Patienten anfangen, mehr Sport zu treiben. Wenn dies in einem gesundheitsorientierten Fitnessclub stattfindet, der auch die notwendige Kompetenz vorhält, findet der Kunde auch gleich die professionelle Beratung und Ausstattung zur Bekämpfung seiner Gesundheitsrisiken. Dies setzt natürlich voraus, dass der Club einen professionellen Vorsorgecheck anbietet und die daraus gewonnen Daten auch als Grundlage für ein optimales Bewegungs- und Ernährungsprogramm umsetzt. Wer sich im Segment Medical Fitness positionieren möchte, kommt daran nicht vorbei!



