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Nachgedacht
BMI – Bitte Mehr Individualität

Jürgen Woldt

Neulich saß ich vor meinem Fernseher und schaute mir eine Sendung über Gesundheit und Gesundheitsverhalten an. In der Diskussionsrunde saßen u. a. Prof. Dr. Ingo Froböse und ein übergewichtiger bekannter Schauspieler. Thema war der Body-Mass-Index, dessen Berechnung über die Körperumfangmessung und dessen Bedeutung als in der Praxis übliche Hinweisskala für zu wenig bzw. zu viel Gewicht.

Während des Gesprächs stellte der prominente, scheinbar übergewichtige Schauspieler in der Runde Prof. Dr. Froböse folgende Frage: „Was denken Sie eigentlich über mich oder Menschen mit ähnlichem Gewicht? dass wir undiszipliniert, genusssüchtig oder bewegungsfaul sind?“ Für einen Augenblick blieb diese Frage unbeantwortet, denn der Moderator blendete gerade jetzt einen Film ein, in dem zu sehen war, wie elegant und gewandt sich der Schauspieler bewegte und tanzte.

Im Anschluss daran vermied Prof. Dr. Froböse eine direkte Antwort, er rettete sich vielmehr über die Aussage: „Wichtig ist, dass Sie sich wohlfühlen und gesund sind.“ Daraufhin sagte der Schauspieler: „Ich werde vor jedem Filmprojekt untersucht, meine Werte sind einwandfrei und ich selbst fühle mich sehr wohl. Ich möchte auch nicht anders sein. Ich liebe meine Arbeit, und ich genieße meine Freiräume auf meine Art.“

Dies zeigt, dass Fragen wie „Was denken wir über Übergewichtige?“ durchaus berechtigt sind. Sind sie übergewichtig nach unseren Vorstellungen, nach vorgegebenen Vorstellungen und Gewichtswerten? Von wem auch immer – Menschen werden ganz selbstverständlich als unter- bzw. übergewichtig klassifiziert.
Selbst politisch Verantwortliche sehen für sich selbst keinen Handlungsbedarf, welchen sie bei anderen einfordern. Intuitiv handeln sie – wie ich meine – offensichtlich richtig.

Nehmen wir z. B. unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel oder unsere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Sie würden nach dem BMI als übergewichtig eingestuft werden. Übrigens – mehr als 70 % der Bundestagabgeordneten erfüllen den BMI nicht.
Leben diese Menschen falsch? Haben sie kein Gesundheitsbewusstsein? Diese Situation muss uns doch zu denken geben. Gesundheit wird zu stark reduziert auf Messdaten. Wobei ein übertriebener Fokus auf dem Gewicht liegt. Wir müssen nicht bei jeder Begegnung mit einem Übergewichtigen uns inspiriert fühlen, ihn dünner machen zu wollen.
Noch einmal: Ich glaube, Menschen, die sinnerfüllt leben, leben nicht falsch, sondern richtig, und zwar richtiger als viele andere Menschen in unserer Gesellschaft. Denn sie haben eine Begeisterung für das, was sie tun, haben eine grundsätzlich positive Lebenseinstellung und sehen in ihrem Tun und Wirken einen Sinn.

Wenn dem so ist, dann ist die ausschließliche Arbeit an nur einem Parameter wie z.B. dem Übergewicht von Menschen oder der Erhöhung der körperlichen Fitness eine falsche Strategie. Es wird Zeit für eine zweite Säule: Menschen ein Training für die Inspiration anzubieten, damit ein Leben gelebt werden kann, das für den einzelnen Sinn macht und ihm Genuss offenbart. Wobei sein/ihr Gewicht bleiben darf, auch der untrainierte Körper bleiben darf, und sogar eventuell eine Krankheit ihren Platz haben kann.
Was wir uns klar machen sollten ist, dass wir auf keinen Fall sagen können, dass wir eine Norm im Bezug auf alle Menschen einführen sollten, die wir in unserem Fitness- und Freizeitclub zielbezogen trainieren. Wir werden die Menschen, die diese Norm nicht erfüllen, schneller los als wir glauben

Viele unserer Gäste stellen sich mit Sicherheit die Frage, ob sie ihren äußeren Körpertypus ändern können. Diese Frage lässt sich ganz einfach mit „Ja“ beantworten. Menschen, die in eine ungesunde Lebensweise fallen, großem Stress und fehlender körperlicher Belastung ausgesetzt sind, können sich ohne Weiteres in einen eher pyknischen Körper „verwandeln”. Ebenso auch umgekehrt kann eine „Couchpotato“ mit richtigem Training und der dazu passenden Ernährung zu einem „Athletiker“ werden.
Sie sehen, auch ich verwende jetzt Klassifizierungen, die ähnlich wie beim BMI auf statistischen Erhebungen basieren und sofort zu Assoziierungen zu der Wesensart von Menschen verleiten.
Wir sollten bedenken, dass ein gesundes Temperament immer dann in Erscheinung tritt, wenn der Mensch das leben und zum Ausdruck bringen kann, was er ist. Dann lebt er seine Persönlichkeit. Und wenn es der Zufall so will, dann sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale katalogisierbar, doch meist ist das eine Mischform, die der Mensch ausdrückt, aber mit Sicherheit keine Normform – von wem auch immer angegeben.

Ich denke, hier wird auch klar, dass nicht die Formel gilt, je besser der Körper auf eine vorgegebene Idealmasse angepasst wird durch exzessives Training, desto eher korreliert auch die Psyche mit diesem Optimum. Nein, ganz im Gegenteil.

Ich möchte hier enden mit der Aussage von Prof. Sidney M. Jourard, ein Kollege von Maslow, der sagte: „Normalität ist etwas Ungesundes“. Die Schulung und Pflege unserer Wahrnehmung für unser eigenes inneres, seelisches Leben und unser Körpergefühl ist bedeutsam für unsere Gesundheit.

Wir sollten nie aufhören, darüber nachzudenken wie wir für unsere Kunden eine Plattform in der Zukunft bereitstellen können. Nicht die Vermarktung von Messdaten – mit welcher guten Absicht auch immer – ist die Zukunft für unsere Branche, sondern die Vermarktung von Freiheit – sowohl in der Wahl der Aktivität, aber auch in der Wahl der Art und Weise wie diese Aktivität aussehen könnte.

Die Antwort dafür wird in den nächsten 20 Jahren unsere Branche zu einem attraktiven sympathischen Angebot für jedermann machen.

Wir sind ein expandierendes Dienstleistungsunternehmen im Bereich Gesundheit, Fitness und Prävention und suchen zur weiteren Verstärkung unseres motivierten Teams ab sofort mehrere Mitarbeiter im Vertrieb (m/w) für das Vertriebsgebiet Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und NRW.